Maledos: das Bohnebeitel-Trio steht seit 60 Jahren auf der närrischen Bühne

Von Gerd Plachetka

Während die Weltwirtschaft im Jahr 1958 ihre erste Rezession erlebte, steckte Deutschland mit einem Bundeskanzler Konrad Adenauer mitten im Wirtschaftswunder. Vielleicht hatten gerade diese nationalen Begleitumstände im damals beschaulichen Mombach dazu geführt, dass sich einige fastnachtsverzückte Musiker zusammentaten, um eine Gesangsgruppe zu gründen. Um auch politisch das auszudrücken, was man einmal im Jahr zur fünften Jahreszeit durchaus kritisch anmerken darf. Sie nannten sich „Maledos“ – schließlich war in dieser Zeit der Mainzer Vorort geprägt durch seine Gemüse- und Obstkulturen. Und so ließ sich das frisch gegründete Bohnebeitel-Trio von den Aprikosenplantagen – den sogenannten Maleten – bei seiner Namensgebung inspirieren.

Maledos in den Anfängen (Foto: Bohnebeitel-Archiv)

Gusti Becht an der Gitarre, Jupp Mentges am Bass und Horst Hörsken am Akkordeon hießen die Gründungsmitglieder der Maledos. Kurz darauf stieß auch noch Lothar Mohr zu der Truppe. Sie rekrutierten sich aus dem heute nicht mehr existierenden Mombacher Gesangsverein „Einigkeit“. 1965 gelang dem Trio gar der Sprung in die Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“ mit mehr als zehn Millionen Zuschauern. Von nun an tat sich eine ungeahnte bundesweite Fangemeinde auf. Was die Maledos zweifelsfrei bekannt und beliebt macht, sind ihre Gassenhauer. „Ohne Worscht; ohne Woi geht en echte Meenzer eui“, „Loss en trinke sunst verderrt er der“ oder das legendäre „Mir sin stolz druff, dass mer Meenzer sin“. Sie stammen aus der Feder von Robert Bartsch, den die aktuellen Maledos noch immer als ihren „geistigen Vater“ ansehen. Und auch heute nach sechs Jahrzehnten erfolgreicher fastnachtlicher Bühnenpräsenz bleibt das ursprüngliche Gesamtkonzept in seiner Grundstruktur erhalten. Quasi ein musikalisches Protokoll vorneweg und den klassischen Kokolores in einem gesungenen Mix oben drauf bringen sie seither erfolgreich auf die närrische Rostra. Großen Wert haben sie stets auf das saubere Artikulieren ihre Lieder gelegt, damit ihre trefflichen Pointen im Publikum auch zünden.

aktuelles Bild der Maledos aus der Kampagne 2018 (Foto: Gerd Plachetka)

Heute heißen die Maledos Klaus-Dieter Becht (seit 1976), Dieter Scheffler (seit 1994) und Uwe Ferger (seit 2001) und beflügeln die Menschen mit ihrer „Meenzer Fassenacht uff Mumbacher Art“. Ihre wortspielenden Persiflagen und Zeitgeistthemen animieren zum Mitsingen, Schunkeln und Tanzen. Der Name Becht ist da so etwas wie das Bindeglied der neuen und alten Maledos-Generationen. Legendär ist sicher das Jahr 2013 zu nennen, als Urgestein Gusti Becht (2016 verstorben) und sein Neffe Klaus-Dieter noch einmal gemeinsam auf der Bohnebeitel-Bühne standen. Dass die Maledos allesamt Vollblutfastnachter sind, beweisen sie zudem mit diversen Einzel- und Duoauftritten. Uwe Ferger ist aktuell bei den Bohnebeiteln mit seinem „Bohnestangeblues“ zu hören und im Duo mit Dieter Scheffler sind sie einmal mehr mit ihrem großartigen Kokolores die urkomischen „Kall & Kall“. Aber spätestens beim legendären „Oi, Oi, Oi, Oi“ sind die Maledos wieder vereint und die Bohnebeitel-Narrhalla außer Rand und Band.